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Bräuche

Henna-Nacht

Bemalung von Händen und Füßen mit Hennapaste, vor allem bei Frauen und zu Festen wie Geburt und Hochzeit. Seit 2024 steht Henna, gemeinsam angemeldet von Marokko und 15 weiteren Staaten, auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.

Was es ist

Henna ist ein laubwerfender Baum heißer Gegenden; seine Blätter werden zweimal im Jahr geerntet, getrocknet und gemahlen, und mit der Paste schmücken vor allem Frauen Haar, Fingerspitzen, Hände und Füße. Henna steht für Freude bei Geburten, Hochzeiten und anderen Festen, und das Auftragen wird oft von Gesängen, Liedern, Sprichwörtern und Gedichten begleitet. Das Wissen darum wird vor allem in der Familie durch Zusehen und Mitmachen weitergegeben.

Die Henna-Nacht gehört zur Hochzeit: Nach La Vie éco hieß die letzte Nacht der Braut im Elternhaus, vor dem Auszug zum Bräutigam, Mbita; dabei bekam sie Henna auf Hände und Füße. Bei einer Hochzeit von 2006, die die Zeitschrift begleitete, fand die Hennafeier am Vorabend der Verlobungsfeier im Haus der Braut statt, begleitet von Dqayqiya-Musik und mit einem Abendessen.

Woher es kommt

Der Hennastrauch (Lawsonia inermis) stammt aus dem südlichen Iran und Mesopotamien und war schon im alten Ägypten bekannt; er braucht eine lange heiße Jahreszeit und Bewässerung. In Marokko wird er nach der Encyclopédie berbère um Azemmour und in den Doukkala, im Tafilalet, im Souss und im Drâa-Tal angebaut.

Geschichte

Edward Westermarck beschrieb 1914, dass die Braut in Fes vor der Hochzeit mit Wasser und mit Henna gereinigt wurde. Nach dem Bad setzte sie sich hinter einen Vorhang, umgeben von unverheirateten Mädchen der Familie, und nach dem Abendessen malte ihr eine Hennamalerin ein Muster, das nur Bräuten vorbehalten war: Punkte über den Handgelenken und auf den Fingern, die Handrücken zum Teil und die Handflächen ganz bedeckt, die Füße ebenso. Am nächsten Abend wurde sie erneut bemalt, während die Verwandten feierten und Musikerinnen bis zum Morgen spielten.

Danach kleideten die Negagef, die Brautbegleiterinnen, die Braut in Fes an, setzten sie auf einen niedrigen Tisch und trugen sie singend und tanzend durch das Haus. In Tanger rührte eine Musikerin das Henna unter Gesang mit Wasser an, und eine Frau, die nur einmal verheiratet war, und zwar mit einem bis dahin ledigen Mann, trug es der Braut auf Hände und Füße auf.

Woraus

Für die Paste werden die getrockneten Blätter gemahlen; Zutaten und Verfahren unterscheiden sich je nach Zweck und Land. Das Pulver wird mit Wasser zu einer Paste angerührt; mit Beizen wie Alaun färbt Henna auch Leder, Wolle und Seide. Eine Beschreibung aus Tanger, die Westermarck zitiert, nennt fein gesiebtes Pulver, mit heißem Wasser zu einem Teig gerührt und für einige Stunden unter Tüchern auf der Haut gelassen. Heutige Hennamalerinnen fixieren die Farbe mit einer Mischung aus Zitrone, Knoblauch, Teekörnern und Zucker, die sie mit Watte auftragen, und trocknen das Henna über einer Glutschale mit Weihrauch, Oud oder Alaun.

Wie es gemacht wird

Die Hennaya, bei Harrell die Frau, die darauf spezialisiert ist, Henna als Körperschmuck aufzutragen, trägt die Paste traditionell mit einem Stäbchen auf, eine Arbeit von etwa zwei Stunden; manche nehmen heute eine Spritze, um Zeit zu sparen. Als Vorbild gelten die Muster aus Marrakesch und Fes mit feinen Linien und kleinen gestreiften Quadraten und Rechtecken, die aus Marrakesch zusätzlich mit Schachbrettmustern. Der aus dem Nahen Osten übernommene Stil Khaliji zeigt dagegen Blüten und runde, leichtere Formen.

Wann

Die Hochzeit ist nach der Encyclopédie berbère der wichtigste Anlass: Die Braut bekommt die Paste auf Hände und Füße, der Rest geht an die Brautjungfern und die Frauen des Hauses, und auch die Hände des Bräutigams werden gefärbt. Henna begleitet viele Wendepunkte im Leben einer Frau: die Pubertät, die Hochzeit, den siebten Schwangerschaftsmonat und die Geburt ihrer Kinder. Vor dem Opferfest bemalen Frauen ihre Hände und oft auch die Füße.

Woran man es erkennt

Früher bekam die Braut Henna auf Handflächen, Handrücken und Fußsohlen; heute lassen sich viele Bräute nur einen Finger mit sehr feinen Mustern bemalen, während andere, vor allem volkstümliche Familien beim alten Brauch bleiben. Die fixierte Farbe reicht von Orange bis Braun.

In Kürze

Botanischer Name
Lawsonia inermis
Darija
ḥenna; ḥennaya, die Hennamalerin
Tamazight (Marokko)
el ḥenni
Immaterielles Kulturerbe
UNESCO, seit 2024, mit 15 weiteren Staaten

Wo es herkommt

Im ganzen Land zu Hause, ohne einen Ursprungsort, den eine Quelle nennt.

Wann man es antrifft

Aid · Hochzeit · Nach der Geburt

Gehört dazu

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Zuletzt geprüft am 26. Okt. 2026. 8 Quellen, davon 1 Primärquellen (Behörde, UNESCO, Betreiber).

  1. UNESCO, Immaterielles Kulturerbe: Henna: rituals, aesthetic and social practices. https://ich.unesco.org/en/RL/henna-rituals-aesthetic-and-social-practices-02116. Geprüft am 25. Okt. 2026.
  2. UNESCO, Immaterielles Kulturerbe: Henna: rituals, aesthetic and social practices. https://ich.unesco.org/en/RL/henna-rituals-aesthetic-and-social-practices-02116. Geprüft am 25. Okt. 2026.
  3. UNESCO, Immaterielles Kulturerbe: Henna: rituals, aesthetic and social practices. https://ich.unesco.org/en/RL/henna-rituals-aesthetic-and-social-practices-02116. Geprüft am 25. Okt. 2026.
  4. La Vie éco, 9.6.2006: Le mariage et ses rites, ce qui a changé en une génération. https://www.lavieeco.com/influences/societe/le-mariage-et-ses-rites-ce-qui-a-change-en-une-generation-6481/. Geprüft am 25. Okt. 2026.
  5. La Vie éco, 9.6.2006: Le mariage et ses rites, ce qui a changé en une génération. https://www.lavieeco.com/influences/societe/le-mariage-et-ses-rites-ce-qui-a-change-en-une-generation-6481/. Geprüft am 25. Okt. 2026.
  6. Encyclopédie berbère 22 (2000), M. Gast: Henné. https://journals.openedition.org/encyclopedieberbere/1717. Geprüft am 26. Okt. 2026.
  7. Encyclopédie berbère 22 (2000), M. Gast: Henné. https://journals.openedition.org/encyclopedieberbere/1717. Geprüft am 26. Okt. 2026.
  8. Edward Westermarck, Macmillan, London 1914 (Internet Archive): Marriage Ceremonies in Morocco. https://archive.org/details/marriageceremoni00westuoft. Geprüft am 25. Okt. 2026.
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  10. Edward Westermarck, Macmillan, London 1914 (Internet Archive): Marriage Ceremonies in Morocco. https://archive.org/details/marriageceremoni00westuoft. Geprüft am 25. Okt. 2026.
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  30. Peace Corps Morocco (ERIC ED401741, Internet Archive): Moroccan Arabic: A Competency Based Curriculum, Beginning & Intermediate Students (1996). https://archive.org/details/ERIC_ED401741. Geprüft am 25. Okt. 2026.
  31. La Vie éco, 9.6.2006: Le mariage et ses rites, ce qui a changé en une génération. https://www.lavieeco.com/influences/societe/le-mariage-et-ses-rites-ce-qui-a-change-en-une-generation-6481/. Geprüft am 25. Okt. 2026.
  32. UNESCO, Immaterielles Kulturerbe: Henna: rituals, aesthetic and social practices. https://ich.unesco.org/en/RL/henna-rituals-aesthetic-and-social-practices-02116. Geprüft am 25. Okt. 2026.