Nachschlagewerk
Alle Sachen von A bis Z
46 Sachen, jede mit ihrer belegten Kurzfassung.
- AghroumEssen und TrinkenAghroum (aɣrum) ist das Amazigh-Wort für Brot: Das Wörterbuch des IRCAM führt es als männliches Nomen mit der Bedeutung „pain“, خبز. Im Rif wird es aus Gerstenmehl im Hausofen gebacken, im Süden Marokkos tragen verschiedene Brote diesen Namen, unterschieden danach, wie sie gebacken werden.
- AhidousMusikGemeinsamer Tanz der Amazigh-Dörfer des Mittleren Atlas und des östlichen Hohen Atlas, bei dem Männer und Frauen zusammen tanzen und zwei Gruppen die Verse im Wechsel singen. Einziges Instrument ist die Rahmentrommel, Allun oder Bendir genannt.
- Al-AlaMusikKlassische Musik mit Schulen in Fes und Tétouan, geordnet in elf Suiten (Nubas), deren Gedichte, Modi und Rhythmen der Tétouaner al-Haïk Ende des 18. Jahrhunderts aufschrieb. Dass sie in al-Andalus entstand, gilt als wahrscheinlich, ist aber kaum belegt.
- AmlouEssen und TrinkenEine Paste aus gerösteten, gemahlenen Mandeln, Honig und Arganöl, dem Öl des Arganbaums, der nur im Südwesten Marokkos wächst. Im Souss gehört Amlou im Ramadan zum Fastenbrechen.
- AtayEssen und TrinkenGrüner Tee aus China, meist der Sorte Gunpowder, mit frischer Minze und Zucker vom Zuckerhut zubereitet und aus der Höhe eingeschenkt. Er gilt als Zeichen marokkanischer Gastfreundschaft.
- Austern aus DakhlaEssen und TrinkenAustern werden in Marokko seit 1950 gezüchtet, zuerst in der Lagune von Oualidia. 2019 kamen jährlich rund 411 Tonnen aus Dakhla und Oualidia, bei Dakhla unter anderem aus der Muschelzone Duna Blanca.
- BaghrirEssen und TrinkenEin weicher, dicker Pfannkuchen, auf der Pfannenseite glatt und auf der Oberseite voller Löcher wie eine Honigwabe. Im Ramadan steht er in vielen Gegenden, etwa in Beni Mellal, Ouarzazate und Taliouine, zum Fastenbrechen auf dem Tisch.
- BelghaKleidungFlacher Lederschuh, traditionell in der muslimischen Welt; im marokkanischen Arabisch ist belga das Paar, ferda ein einzelner Schuh. In Tiznit im Souss werden Belgha aus Ziegenleder gefertigt, das aus den Gerbereien von Taroudant, Marrakesch und Fes kommt.
- Beni-Ouarain-TeppichDingeEin Teppich aus Schafwolle, benannt nach den Stämmen der Beni Ouarain bei Taza im Mittleren Atlas. Ursprünglich als Decke für die ganze Familie gedacht, kann er bis zu sieben Meter lang sein.
- Berrad und GläserDingeKanne (Berrad) und Gläser stehen auf einem Tablett aus Kupfer, Neusilber oder Silber, das dem Teeritual seinen festen Rahmen gibt; bei Besuch schenkt oft das Familienoberhaupt aus. Hergestellt wird das meiste Teegeschirr für Marokko in der Medina von Fes.
- BissaraEssen und TrinkenEine dicke Suppe aus getrockneten Erbsen oder Saubohnen mit Kreuzkümmel, Paprika und Olivenöl. Sie ist eine Spezialität von Tanger, im ganzen Norden sehr beliebt und ein Gericht für den Winter.
- BsahaWörter„B'ssaha“, wörtlich „mit Gesundheit“, sagt man zu jemandem, der isst oder trinkt, neue Kleider trägt, vom Friseur oder aus dem Bad kommt; die Antwort lautet „Allah yaʿtik ssaha“, Allah gebe dir auch Gesundheit.
- ChaabiMusikSammelname für mehrere Arten marokkanischer Volksmusik, die ländliche und städtische Traditionen verbinden und in marokkanischem Arabisch gesungen werden. Begonnen hat sie als Straßenmusik auf Plätzen und Märkten, heute spielt sie in Cafés und auf Hochzeiten.
- ChebakiaEssen und TrinkenEin Gebäck aus festem Teig, frittiert und in Honig oder Sirup getaucht, je nach Gegend auch Griouch oder M'kharqa genannt; in den Teig kommen Sesam, Anis, Zimt und Orangenblütenwasser. Im Ramadan gehört es in vielen Regionen Marokkos mit Harira und Datteln zum Fastenbrechen.
- CouscousEssen und TrinkenGrieß, der von Hand zu Körnchen gerollt und über Dampf gegart wird, serviert mit Gemüse und Fleisch je nach Gegend, Jahreszeit und Anlass. Seit 2020 steht Couscous, als gemeinsamer Eintrag von vier Ländern des Maghreb, auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.
- DjellabaKleidungLanges Gewand mit Kapuze und Ärmeln, das auf dem Land in einem Stück gewebt wird. Ursprünglich trugen es Männer, heute tragen es in Marokko Frauen und Männer.
- GerbereiHandwerkChouara im Viertel Lablida ist eine der aktivsten historischen Gerbereien von Fes, wo eine Statistik der Almohaden einst 86 Gerbereien zählte. Die Häute weichen dort in Kalk und Taubenmist ein und werden mit Naturstoffen wie Rosen, Zedernholz und Safran gefärbt.
- GhassoulDingeEine magnesiumreiche Tonerde (Stevensit) aus dem Tal der mittleren Moulouya bei Missour, Provinz Boulemane, die in Hautreinigungsmitteln und Shampoos verwendet wird. Der Name Ghassoul ist Ware mit mehr als 90 % Stevensit vorbehalten.
- HammamBräucheDas Dampfbad nach dem Vorbild der antiken Thermen, mit einer Folge aus unbeheiztem, lauwarmem und heißem Raum. Es ist ins Wohnviertel eingebunden und ist ein Ort der Geselligkeit.
- HariraEssen und TrinkenEine dicke Suppe aus Tomaten, Fleisch und Hülsenfrüchten, die zum Schluss mit eingerührtem Mehl gebunden wird und in jeder Familie etwas anders ausfällt. In Fès, Meknès, Tanger, Marrakesch, Rabat und Casablanca gehört sie im Ramadan zum Fastenbrechen.
- HchoumaWörterHchouma ist ein Wort des marokkanischen Darija, das zwischen Scham und Schamhaftigkeit liegt. Man sagt es über ein Verhalten, das gegen die geteilten Normen verstößt, schon über ein Kind, das nicht grüßt.
- Henna-NachtBräucheBemalung von Händen und Füßen mit Hennapaste, vor allem bei Frauen und zu Festen wie Geburt und Hochzeit. Seit 2024 steht Henna, gemeinsam angemeldet von Marokko und 15 weiteren Staaten, auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.
- KaftanKleidungLange Tunika mit mittiger Öffnung, Knöpfen und reicher Handarbeit, getragen zu Hochzeiten, Namensfesten und anderen Festen. Seit dem 10. Dezember 2025 steht der marokkanische Kaftan auf der Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit.
- Kalk und PigmentHandwerkDie Hauswände von Chefchaouen sind mit Kalk gestrichen, dem mehr oder weniger Indigo beigemischt wird; daher kommen die vielen Blautöne der Gassen.
- KhliiEssen und TrinkenRind-, Hammel- oder Dromedarfleisch in Streifen, mit Knoblauch, Essig, Koriander und Salz mariniert, in der Sonne getrocknet und in Fett gegart; in der Medina von Fes ist das eine jahrhundertealte Tradition. Im Ramadan kommt es in Fes mit Msemen und in Meknès in gefüllten Rghaif auf den Tisch.
- Klementine aus BerkaneEssen und TrinkenKlementinen aus der Triffa-Ebene um Berkane, zwischen Mittelmeer und Beni-Snassen-Bergen, kernlos und aus zwei Sorten (Berkane-Klon und Nules). Seit 2010 ist „Clémentine de Berkane“ als geografische Angabe amtlich anerkannt.
- MalhunMusikGesungene Dichtung in arabischer Umgangssprache, entstanden im Tafilalet im Südosten Marokkos und in den alten Städten vor allem von den Zünften der Handwerker gepflegt. Seit 2023 steht Malhun auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.
- MendilDingeEin gewebtes Tuch, das die Frauen der Jebala im westlichen Rif um die Taille knoten, meist rot mit feinen weißen Streifen. Es dient auch dazu, Kinder oder Lasten am Körper zu tragen.
- MidaDingeDer runde, meist niedrige Tisch, an dem marokkanische Familien essen, umgeben von Kissen, niedrigen Hockern oder Sofas; die Speisen stehen gemeinsam in der Mitte.
- MsemenEssen und TrinkenEin Fladen aus dem Maghreb, der zu einem Quadrat mit vielen Schichten gefaltet und auf der heißen Platte gebacken wird. Zum Fastenbrechen im Ramadan steht er vielerorts in Marokko auf dem Tisch, in Fes zusammen mit Khlii.
- OlivenEssen und TrinkenOb eine Tafelolive grün, in Verfärbung oder schwarz ist, hängt vom Reifegrad bei der Ernte ab. In Marokko stellt die Sorte Picholine marocaine mehr als 90 Prozent der Olivenbäume und liefert Öl wie Tafeloliven.
- PastillaEssen und TrinkenEine süß-salzige Pastete aus hauchdünnen, gebutterten Warqa-Blättern, gefüllt mit Taube oder Huhn, Eiern, Kräutern und Mandeln. Im 20. Jahrhundert wurde sie vom Festessen der städtischen Oberschicht in Fès, Rabat und Tétouan zum Festgericht im ganzen Land.
- RaïMusikVolksgesang des Maghreb, der sich seit Anfang der 1980er Jahre mit Synthesizern und neuen Rhythmen aus seiner Herkunftsgegend in die Großstädte und bis nach Paris verbreitet hat. In Marokko ist Oujda die Stadt des Raï: Dort findet das Raï-Festival der Region Oriental statt.
- RfissaEssen und TrinkenZerpflückte, dünn gebackene Teigfladen unter einer Brühe aus Huhn, Linsen und Bockshornklee. Traditionell kocht die Familie Rfissa für eine Frau nach der Geburt.
- SardineEssen und TrinkenDie Sardine macht rund 64 Prozent der marokkanischen Fänge aus. Marokko ist der größte Hersteller und Exporteur von Sardinenkonserven weltweit und führte 2022 nach Angaben des Fischereiministeriums 152 137 Tonnen davon aus.
- SelhamKleidungWeiter Kapuzenumhang bis zu den Füßen, vorn nur auf Handbreite zugenäht, aus weißer Wolle oder braunem Ziegenhaar; marokkanische Berbersprecher nennen ihn meist asdelham, eine Form, die auch das Arabische kennt. In der Stadt wird er über der Djellaba getragen.
- SellouEssen und TrinkenEine Mischung aus geröstetem Mehl, Mandeln, Sesam und Honig, auch Sfouf oder Zemmita genannt. Sie gehört zu den wichtigsten Süßigkeiten des Ramadan, etwa in Fès und Meknès beim Fastenbrechen.
- Silber aus TiznitHandwerkSilberschmuck der Amazigh-Frauen aus dem Anti-Atlas, vor allem Fibelpaare mit Brustkette, Armreifen und Stirnschmuck; als Teil der Brautgabe blieb er Eigentum der Frau und sicherte sie materiell ab. Tiznit gilt als „Hauptstadt des Silbers“.
- SmenEssen und TrinkenButter, die mit Salz haltbar gemacht wird und in einem Krug oder Tontopf monatelang reift; sie würzt Couscous, Tajines und Harira. Daneben trägt auch geklärte Butter diesen Namen.
- StampflehmHandwerkStampflehm (französisch pisé) ist rohe Erde, die zwischen Schaltafeln abschnittweise festgestampft wird; zusammen mit Lehmziegeln ist er das Baumaterial der Ksour und Kasbahs im Süden Marokkos, wie in Aït-Ben-Haddou.
- TadelaktHandwerkEin Kalkputz, der verdichtet, mit einem Stein poliert und mit Seife wasserabweisend gemacht wird; in Marokko kleidet er auch alte Dampfbäder aus, etwa in den Kasbahs von Tamnougalt und Taourirt.
- Tajine (das Gefäß)DingeEin Gefäß aus Irdenware mit flachem, niedrigem Unterteil und kegel- oder kuppelförmigem Deckel, der das Kondenswasser zurück in die Schale leitet. Im marokkanischen Arabisch heißt das darin aufgetragene Essen ebenso wie das Gefäß.
- TanjiaEssen und TrinkenFleisch, das in einem verschlossenen Tonkrug, der Tanjia, in der Asche des Ofens eines Hammams gart, ein Gericht der Handwerker und Händler von Marrakesch. Schon im 17. Jahrhundert beschrieb der Gelehrte al-Marghiti seine Zubereitung in einem Gedicht.
- Thuja-HolzHandwerkDas Holz des Sandarakbaums (Tetraclinis articulata), das in Marokko vor allem in Essaouira handwerklich verarbeitet wird, hauptsächlich zu Intarsien und Möbeln.
- ZaaloukEssen und TrinkenEin gekochter Salat aus Auberginen und Tomaten, eine überlieferte Speise der Küche des Maghreb. Meist wird er als Vorspeise mit Brot gegessen.
- ZelligeHandwerkGlasierte Wandfliesen, deren geometrische Muster aus vielen kleinen, einzeln zugeschnittenen Formstücken entstehen; zur höchsten Blüte brachten die Kunst die Handwerker von Fes unter den Meriniden. Der Ton für Fes kommt vom Fundort Benjlik.