Aïta
Strophischer Gesang in marokkanischem Arabisch aus den atlantischen Ebenen zwischen Casablanca und Marrakesch, getragen von Sängerinnen, den Chikhat, und ihren Musikern. Das Wort bedeutet „Ruf“ oder „Appell“.
Was es ist
Die Aïta (Mehrzahl ʿAyout) ist ein volkstümlicher Gesang, der vor allem in einfachen Kreisen sehr beliebt ist. Gesungen wird sie in marokkanischem Arabisch, als strophisches Lied, das man entlang der atlantischen Ebenen von Casablanca bis Marrakesch findet. Wörtlich bezeichnet das Wort einen Ruf, mit dem man jemandes Aufmerksamkeit weckt.
Eine Aïta folgt einer festen Ordnung: Auf ein Vorspiel folgen mehrere Abschnitte, getrennt durch einen Kehrvers, der von einem Teil zum nächsten überleitet, und am Ende steht ein Tanzteil.
Woher es kommt
Die Aïta hat regionale Spielarten, die sich in Melodie, Rhythmus und Dichtung unterscheiden: Marsaouia um Casablanca, Hasbaouia um Safi, Haouzia um Marrakesch, Zaïria um Rabat und Kenitra, Mellalia um Beni Mellal. Raggoug nennt dazu die Gharbaouia und sieht im Hasbaoui-Stil, wie ihn Duos in der Region Abda um Safi spielten, den Ursprung der Aïta. Die Marsaouia, auch Aïta von Casablanca genannt, stammt nach ihm aus der Chaouia und den Doukkala und besingt oft Städte wie El Jadida und Azemmour.
Geschichte
Raggoug führt die Aïta auf die Almohadenzeit zurück, als sich arabische Stämme in den Ebenen vom Gharb bis Abda niederließen und arabische und amazighische Kultur einander begegneten. Gespielt wurde zunächst auf Bendir, Daff und Trommel, später kamen Blasinstrumente wie Gasba und Ghaita hinzu. Anfangs bestanden die Gruppen nur aus Männern mit Geige und Taarija; mit der Zeit gründeten Frauen eigene Gruppen.
Woraus
Die Chikhat schlagen beim Singen eine kleine Taarija; die Musiker begleiten sie mit Oud, Kamanja (Geige), Darbouka und Bendir, manche Truppen auch mit Swisdi oder Lotar, kleinen Lauten mit zwei bis vier Saiten. Im Hasbaoui-Stil haben sich die alten Instrumente Swisdi und Guembri gehalten.
Wie es gemacht wird
Eine Aufführung hat zwei Teile: Im ersten überwiegt der Gesang, die führende Sängerin (Tabbaʿa) singt im Wechsel mit einer zweiten, und die übrigen Chikhat und einige Musiker setzen Akzente. Im zweiten wechselt die Musik vom langsamen Tempo in einen schnelleren 6/8-Takt, und es wird getanzt; am Ende wird das Tempo immer schneller bis zum plötzlichen Abbruch. Die Vorsängerin tanzt dabei nicht, das Tanzen ist Sache der jüngeren Chikhat und der Lehrlinge.
Eine junge Chikha lernt ohne Musikschule: Sie tritt einer Truppe bei und lernt über Jahre bei einem erfahrenen Chikh oder einer Chikha das Repertoire, die Tänze, die Kleidung und das Schminken, bis sie selbst eine Truppe gründen kann.
Wann
Die Chikhat treten mit ihren Musikern bei Familienfesten im Lauf des Lebens und bei privaten Feiern auf, vor Frauen, Männern oder gemischtem Publikum.
In Safi findet das nationale Aïta-Festival statt; die 24. Ausgabe lief vom 22. bis 25. Juli 2026, ausgerichtet von der Kulturabteilung des Ministeriums mit der Provinz Safi, mit Konzerten, einem Kolloquium und einer Werkstatt zur Aïta auf der Bühne. Zur Eröffnung erklangen Aïta Rahmania, Abdia und Marsaouia; im Mittelpunkt des Programms standen die örtlichen Gruppen und die Meister der Aïta Hasbaouia.
Wo es herkommt
Zu Hause in den Regionen Marrakesch-Safi, Casablanca-Settat.
Genannt werden auch: Safi
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Zuletzt geprüft am 27. Okt. 2026. 3 Quellen, davon 1 Primärquellen (Behörde, UNESCO, Betreiber).