Hchouma
Hchouma ist ein Wort des marokkanischen Darija, das zwischen Scham und Schamhaftigkeit liegt. Man sagt es über ein Verhalten, das gegen die geteilten Normen verstößt, schon über ein Kind, das nicht grüßt.
Was es ist
Hchouma (ḥchouma) ist ein Wort des marokkanischen Darija, das Rahma Bourqia (Universität Mohammed V, Rabat) mit dem Doppelbegriff „Schamhaftigkeit und Scham“ wiedergibt; es bezeichnet zugleich die Lage eines Menschen und das Gefühl, das er darin empfindet. Seine Bedeutung wechselt mit dem Zusammenhang und hat sich von der traditionellen bis zur heutigen marokkanischen Gesellschaft verändert.
Das Wörterbuch des marokkanischen Arabisch von Richard S. Harrell (Georgetown University, 1966) zerlegt das Wort in vier Bedeutungen: Verlegenheit, Schande, Schüchternheit und Sittsamkeit in der Kleidung; der Ausruf ḥšuma ʿlik! heißt „du solltest dich schämen“. Zum selben Stamm gehören das Verb ḥšem, „sich schämen, verlegen oder schüchtern sein, sich nicht trauen“, das Eigenschaftswort ḥešman, „beschämt, verlegen, schüchtern“, und ḥešma, „Sittsamkeit, Schüchternheit“. Im englisch-marokkanischen Teil steht ḥšuma für „disgrace“: Ein Verhalten bringt le-ḥšuma über die Familie.
Ein Lehrbuch des Peace Corps übersetzt das Wort knapp mit „Schande“: „had shi hshouma“ heißt „das ist eine Schande“, „hshouma ʿlik“ so viel wie „schäm dich“.
Woher es kommt
Das klassische Arabisch kennt das Wort ḥchouma nicht, wohl aber ḥishma mit den Bedeutungen Schamhaftigkeit, Respekt, Keuschheit, Zurückhaltung, Tugend, Höflichkeit und Bescheidenheit. Das Wörterbuch von Hans Wehr gibt für ḥišma „Scham, Schüchternheit, Zurückhaltung, Sittsamkeit, Anstand“ und für das Verb ḥašama „beschämen“, in den abgeleiteten Formen „sich scheuen, jemandem gegenüberzutreten, zurückhaltend, bescheiden, schüchtern sein“.
Verwandte Begriffe wie ḥishma und al-ḥayāʾ gibt es in arabischen Gesellschaften; Bourqia sieht ḥchouma deshalb zugleich in der arabischen und in der marokkanischen Überlieferung verankert.
Wann
Man sagt ḥchouma über eine Tat oder ein Verhalten, das gegen die Normen der Gemeinschaft verstößt, etwa Untreue, eine Lüge, Betrug, ein gebrochenes Wort oder fehlenden Respekt vor den Eltern. Leichter wiegt es bei den Umgangsformen, etwa bei einem Kind, das nicht grüßt, oder wenn ein Gast nicht wenigstens ein Glas Tee bekommt; dann meint es eher ein Versäumnis als eine Schande.
Im Ramadan gilt es gesellschaftlich als ḥchouma, in der Öffentlichkeit zu essen. Auch Zurückhaltung kann gemeint sein: Ein Lehrbuch des Peace Corps rät, nicht zu erwarten, dass Beschenkte sich überschwänglich bedanken; zuzugeben, dass einem ein Geschenk gefällt, gälte als hachouma.
Wirksam wird ḥchouma durch den Blick der anderen und durch das, was über jemanden erzählt wird. Zum Wortfeld gehören weitere Darija-Wörter wie tabhdila (Demütigung), fḍiḥa (Skandal) und ʿār (Schmach), und heute ist der Begriff auch in sozialen Netzwerken und auf Nachrichtenseiten verbreitet. Harrells Wörterbuch führt ʿar, „Schande, Unehre“, und ʿib, „schändliche Tat“, mit den Ausrufen ʿar ʿlik! und ʿib ʿlik!, beide „Schande über dich!“.
In Kürze
- Marokkanisch-Arabisch
- ḥšuma, Mehrzahl ḥšayem; ḥšuma ʿlik!, „schäm dich!“
- Arabisch
- حشمة (ḥišma), Scham, Schüchternheit, Anstand
Wo es herkommt
Im ganzen Land zu Hause, ohne einen Ursprungsort, den eine Quelle nennt.
Wann man es antrifft
Gehört dazu
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Zuletzt geprüft am 26. Okt. 2026. 4 Quellen, davon 0 Primärquellen (Behörde, UNESCO, Betreiber).