Atay
Grüner Tee aus China, meist der Sorte Gunpowder, mit frischer Minze und Zucker vom Zuckerhut zubereitet und aus der Höhe eingeschenkt. Er gilt als Zeichen marokkanischer Gastfreundschaft.
Was es ist
Atay ist das marokkanische Wort für Tee. Harrells Wörterbuch des marokkanischen Arabisch von 1966 führt es ohne Artikel, daneben berrad für die Teekanne und l-iqama de-s-siniya für das Teegeschirr, alles, was man zum Zubereiten und Einschenken braucht. Gemeint ist grüner Tee mit frischer Minze und Zucker, der für Gastfreundschaft, Teilen und Geselligkeit steht.
In Volksliedern der Amazigh, der Aïta und des Chaâbi steht die Zubereitung des Tees oft für Gastfreundschaft und Zuneigung, Tablett, Kanne und Gläser für das Zuhause. Die Gruppe Nass El Ghiwan machte 1972 das Teetablett zum Bild ihres Liedes „Siniyya“, wörtlich „die Chinesin“.
Woher es kommt
Der Tee kommt aus China: 2024 gingen nach einem Bericht eines chinesischen Branchenverbands 80.600 Tonnen Tee nach Marokko, zu 99,85 Prozent grüner Tee. Marokko ist damit das wichtigste Ziel für chinesischen Grüntee.
Das Wort atay kam nach verbreiteter Ansicht im 18. Jahrhundert mit britischen oder niederländischen Händlern, vom englischen „tea“ oder niederländischen „thee“, vielleicht über das Tamazight.
Geschichte
Europäische Handelsgesellschaften brachten grünen Tee im 17. und 18. Jahrhundert in den marokkanischen Handel. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts lieferten britische Händler große Mengen nach Mogador, dem heutigen Essaouira, und nach Tanger; Händler aus Guelmim brachten ihn weiter in den Sahel, etwa nach Mauretanien und Mali.
Mit sinkenden Preisen und sicherer Versorgung verbreitete sich der Tee im 19. Jahrhundert erst in den Städten, dann auf dem Land und war nicht länger den vornehmen Kreisen vorbehalten.
Wie es gemacht wird
Zuerst werden die Teeblätter gespült, dann wird der Zuckerhut mit einem kleinen Hammer zerschlagen. Eingeschenkt wird aus der Höhe; so kommt Luft in den Tee, und es bildet sich ein leichter Schaum. Der Schriftsteller Edmond Amran El Maleh beschreibt in einem Roman von 1990 das Warten auf den Schaum der Kanne über dem Kohlebecken (Kanoun). Für das Nachlegen kennt Harrells Wörterbuch einen eigenen Ausdruck: leqqem l-berrad, der Kanne frischen Tee, Minzblätter, Zucker und kochendes Wasser für den nächsten Aufguss zugeben.
Wann
Bei Besuch beginnt das Ritual gleich nach der Ankunft des Gastes; der Tee lädt zum Verweilen und zum Gespräch ein und wird oft mit marokkanischem Gebäck gereicht. In den großen Städten steht er heute auch neben Kaffee und anderen Getränken. Am Welttag des Tees 2025 stellte Marokko seine Teezeremonie am Sitz der FAO in Rom als Zeichen der Gastfreundschaft vor. Bei den Berbern im Süden Marokkos endet nach Lagdim Soussi jede Mahlzeit mit Gläsern sehr süß servierten Tees.
In Kürze
- Arabisch
- أتاي
- Tamazight (Tifinagh)
- ⴰⵜⴰⵢ
- Marokkanisch-Arabisch
- atay, Teekanne berrad
Wo es herkommt
Im ganzen Land zu Hause, ohne einen Ursprungsort, den eine Quelle nennt.
Wann man es antrifft
Gehört dazu
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Zuletzt geprüft am 26. Okt. 2026. 6 Quellen, davon 2 Primärquellen (Behörde, UNESCO, Betreiber).