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Stampflehm

Stampflehm (französisch pisé) ist rohe Erde, die zwischen Schaltafeln abschnittweise festgestampft wird; zusammen mit Lehmziegeln ist er das Baumaterial der Ksour und Kasbahs im Süden Marokkos, wie in Aït-Ben-Haddou.

Was es ist

Beim Stampflehm wird ungebrannte Erde Block für Block zwischen zwei Schaltafeln gefüllt und verdichtet; diese Tafeln heißen im Französischen banches. Durch das Stampfen schrumpft die Erde auf etwa die Hälfte ihres Volumens und wird nach dem Trocknen fast so hart wie Stein. Im Süden Marokkos ist Stampflehm die wichtigste Technik für tragende Wände; Lehmziegel (Adobe) dienen für die oberen Geschosse der Türme, für Brüstungen, Zierformen, Trennwände, Treppen und Säulen.

Ein Ksar (Mehrzahl Ksour) ist eine gemeinschaftliche Siedlung hinter Mauern mit Ecktürmen, in der Wohnhäuser, Ställe, Speicher, Marktplatz, Versammlungsraum, Moschee und Medrese beieinanderstehen. Die Kasba dagegen, auf Tamazight Tighremt, ist das große Haus einer Familie um einen rechteckigen Hof mit vier befestigten Flügeln; sie kann ein Bauernhaus sein wie in der Oase Skoura oder ein Palast mit den Ausmaßen eines kleinen Dorfes wie in Taourirt oder Telouet. Im Süden Marokkos gibt es rund 300 Kasbahs und 4000 Ksour, verteilt auf die Täler von Draa, Dadès, Ounila und Ziz am Rand der Sahara.

Woher es kommt

Nach ICOMOS gehören die Lehmbauten des Südens zu einer Bauweise der Gebiete am Rand der Sahara, die im ganzen Maghreb von Mauretanien bis Libyen vorkommt; Bauform und Technik brachten wohl schon sehr früh Maurer saharischer Herkunft in die Berge und Täler des Südens. Der bekannteste Ksar des Ounila-Tals ist Aït-Ben-Haddou in der Provinz Ouarzazate, 31 Kilometer von der Stadt entfernt, am Südhang des Hohen Atlas; er war eine der Handelsstationen auf dem Weg vom alten Sudan über das Draa-Tal und den Pass Tizi n'Telouet nach Marrakesch.

Geschichte

Ob diese Bauweise mit der Islamisierung und der Gründung von Sijilmassa im Jahr 757 aufkam, ist nicht sicher; die ältesten erhaltenen Bauten scheinen nicht vor das 17. Jahrhundert zurückzugehen, auch wenn Form und Technik viel älter sind. Das Ounila-Tal steht wie die Oasentäler seit 1953 unter Schutz, und Aït-Ben-Haddou ist seit 1987 Welterbe der UNESCO, mit 3,03 Hektar Kernzone und 16,32 Hektar Pufferzone. Auch der Ksar von Taourirt, heute mitten in der Stadt Ouarzazate, stammt aus dem 17. Jahrhundert; seine Kasbah, seit 1954 nationales Kulturerbe, war eine Residenz der Glaoui und wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Si Hammadi el Glaoui zu einem ummauerten Komplex mit Ställen, Werkstätten, Markt, Brunnen und Hammams ausgebaut. 1972 verkauften die Erben die Kasbah an die Gemeinde Ouarzazate; seit 2011 erarbeiteten das Getty Conservation Institute und das staatliche Zentrum CERKAS einen Erhaltungsplan, der die überlieferten Lehmbautechniken bewahren soll.

Woraus

Aït-Ben-Haddou zeigt nach ICOMOS die ganze Bandbreite der Bautechniken am Rand der Sahara: in Läufern und Bindern gesetzten Stampflehm, gewöhnlichen Stampflehm und Lehmziegel. Die Baustoffe sind bis heute Erde und Holz; Versuche, Zement einzuführen, haben die Aufsichtsgremien bisher abgewehrt. Allgemein eignet sich örtliche, wenig tonige Erde ohne Fasern, die man unter der Humusschicht entnimmt. Für die Instandsetzung der Kasbah von Taourirt wurde Erde aus 15 Kilometern Entfernung verwendet, zu 67 Prozent Sand und 33 Prozent Ton, ein Verhältnis, das als passend für Stampflehm gilt und der ursprünglichen Erde des Ortes entspricht.

Wie es gemacht wird

Die Schaltafeln sind etwa zwei bis drei Meter lang und rund 60 Zentimeter hoch, die Wände werden 50 bis 60 Zentimeter dick; verdichtet wird mit einem Handstampfer. Nach jedem Abschnitt wird die Schalung versetzt, sodass die Wand Lage um Lage wächst; Türen und Fenster bleiben dabei ausgespart. In Taourirt sind die Stampflehmwände 60 bis 80 Zentimeter dick, die Fundamente bestehen aus großen Steinen, und kurze Hölzer verstärken die Ecken; die Zierformen aus Lehmziegeln werden mit Lehmputz überzogen.

Bei der Instandsetzung in Taourirt wird die leicht befeuchtete Erde in eine Metallschalung gefüllt und mit einem Presslufthammer verdichtet, der im Süden Marokkos den mühsameren hölzernen Stampfer weitgehend abgelöst hat; die Blöcke messen etwa 85 mal 250 mal 60 Zentimeter und werden mit Holzkeilen verbunden. Die Lehmbauten sind sehr anfällig, wenn Pflege und regelmäßige Ausbesserung ausbleiben. ICOMOS empfahl 1986, Aït-Ben-Haddou zum Prüfstein für eine Erhaltung zu machen, die auf die überlieferten Techniken der Erd- und Holzarbeit zurückgreift; heute überwacht das CERKAS, das Zentrum für die Erhaltung des Bauerbes der Atlas- und Subatlasgebiete, den Ksar und setzt seinen Managementplan um.

Woran man es erkennt

Kennzeichen der Ksour sind die Ecktürme, deren obere Teile mit Mustern aus Lehmziegeln verziert sind. Oft gehört ein befestigter Speicher auf einer Anhöhe dazu, Agadir oder Ighram genannt, wie über Aït-Ben-Haddou.

In Kürze

Welterbe
Ksar Aït-Ben-Haddou, UNESCO, seit 1987
Nationales Kulturerbe
Kasbah von Taourirt, Ouarzazate, seit 1954

Wo es herkommt

Zu Hause in der Region Drâa-Tafilalet.

Genannt werden auch: Aït Ben Haddou, Ouarzazate, Skoura

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Aït Ben HaddouOuarzazateSkoura

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Zuletzt geprüft am 26. Okt. 2026. 5 Quellen, davon 4 Primärquellen (Behörde, UNESCO, Betreiber).

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  2. Futura (Michel Berkowicz): Pisé : qu’est-ce que c’est ?. https://www.futura-sciences.com/maison/definitions/architecture-pise-17869/. Geprüft am 25. Okt. 2026.
  3. Getty Conservation Institute und CERKAS, Ministère de la Culture (Claudia Cancino, Benjamin Marcus, Mohamed Boussalh): Plan de conservation et de réhabilitation pour la Tighermt (ou kasbah) de Taourirt, sud du Maroc (2018). https://media.getty.edu/Text/f4857b45-654a-5616-8540-c1d95d114425.pdf. Geprüft am 26. Okt. 2026.
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