Berrad und Gläser
Kanne (Berrad) und Gläser stehen auf einem Tablett aus Kupfer, Neusilber oder Silber, das dem Teeritual seinen festen Rahmen gibt; bei Besuch schenkt oft das Familienoberhaupt aus. Hergestellt wird das meiste Teegeschirr für Marokko in der Medina von Fes.
Was es ist
Berrad (Plural brared) heißt im marokkanischen Arabisch die Teekanne, kas (Plural kisan) das Trinkglas. Die siniya (Plural swani) ist ein Metalltablett, vor allem für das Teegeschirr; das ganze Zubehör zum Zubereiten und Servieren nennt man l-iqama oder ʿmara de-s-siniya.
Auf dem Tablett stehen Gläser und Kanne; es gibt dem Ritual seine Stabilität und gilt zugleich als Zeichen von Macht. Tabletts aus Kupfer, Neusilber oder Silber waren lange ein Zeichen von Wohlstand und schmücken heute in allen Schichten die Wohnung.
Oft ist die Siniya doppelt, zwei Tabletts mit je drei Füßen: Auf dem einen stehen Gläser und Kanne, auf dem anderen, der la’mara, Dosen für Zucker und Tee, eine Schale für die Minze und ein Glas für das Wasser, mit dem die Teeblätter gewaschen werden.
Geschichte
Das Wort siniya hängt mit ṣīnī, „chinesisch“, zusammen und konnte früher auch Porzellan und Kupfergeschirr bezeichnen. Große Metallplatten, die als Tisch dienten, werden in Marokko seit fast tausend Jahren gefertigt; das eigentliche Teetablett kam erst vor rund zwei Jahrhunderten mit dem Tee.
Ende des 18. Jahrhunderts tranken Hof und Reiche Tee, ab 1830 die Städter, bis in die 1890er Jahre auch das Land; ausländische Gesandtschaften brachten im 18. Jahrhundert Tee und Teegeschirr als Geschenk für die höchsten Würdenträger mit. Le360 datiert die Ankunft des Tees auf die Mitte des 19. Jahrhunderts und nennt schon Moulay Ismaïl im 17. Jahrhundert als Teetrinker.
Um 1900 standen Teekannen in wohlhabenden Häusern bevorzugt auf englischen Silbertabletts. Ein marokkanischer Kaufmann in Manchester ließ zusammen mit dem Silberschmied Richard Wright Tabletts, Kannen, Tee- und Zuckerdosen für Marokko fertigen, deren Dekor englische und fassische Motive mischte; im Marokkanischen heißt dieses Silber rayt.
Wie es gemacht wird
Den größten Teil des Teegeschirrs für den marokkanischen Markt fertigen die swâiniya, die „Tablettmacher“ der Medina von Fes, deren Zunft um 1910 entstand; in der Hochsaison arbeiten dort nach Buob (2006) rund zehntausend Metallhandwerker an fast sechshundert Orten. 1946 brachte ein Handwerker die Drehbank nach Fes; damit kopierte die Firma Et Taj die Wright-Kannen aus Manchester getreu, nur werden die Muster in Fes von Hand ziseliert und gepunzt statt in Formen gepresst. Das Gravieren auf Gold, Silber und Kupfer steht seit 2023 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes, als gemeinsamer Eintrag von zehn Staaten, darunter Marokko; die gravierten Stücke sind nach der UNESCO Schmuck und Hausrat.
Wann
Bei Besuch von Freunden oder Verwandten schenkt oft noch das Familienoberhaupt aus oder bestimmt, wer den Griff der Kanne nehmen darf. Beim Einschenken hebt man die Kanne hoch, damit sich Schaum bildet; in der Sahara und an Ziz und Draa nimmt man drei Gläser an, um die Gastgeber nicht zu kränken. Bei Hochzeiten trug man bis vor einigen Jahrzehnten die Braut auf großen runden Kupfertabletts zu den Gästen.
In Kürze
- Darija
- berrad (Kanne), siniya (Tablett), kas (Glas), l-iqama de-s-siniya (das ganze Teegeschirr)
Wo es herkommt
Zu Hause in Fès.
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Wann man es antrifft
Gehört dazu
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Zuletzt geprüft am 26. Okt. 2026. 4 Quellen, davon 1 Primärquellen (Behörde, UNESCO, Betreiber).