Harira
Eine dicke Suppe aus Tomaten, Fleisch und Hülsenfrüchten, die zum Schluss mit eingerührtem Mehl gebunden wird und in jeder Familie etwas anders ausfällt. In Fès, Meknès, Tanger, Marrakesch, Rabat und Casablanca gehört sie im Ramadan zum Fastenbrechen.
Was es ist
Harira ist eine sämige Suppe, die vor allem zum Fastenbrechen im Ramadan gehört. Harrells Wörterbuch des marokkanischen Arabisch von 1966 erklärt ḥrira als Suppe, meist aus Mehl, Linsen, Kichererbsen und manchmal Reis; für das englische Wort soup nennt es ḥrira an erster Stelle. Eine einzige richtige Fassung gibt es nicht: Die Rezepte werden in den Familien weitergegeben, und nach dem Forscher Abdelhaï Diouri kochen keine zwei Familien sie gleich. Das Portal maroc.ma führt sie unter dem immateriellen Kulturerbe des Landes und in den Listen der einzelnen Regionen, vom Oriental bis Dakhla-Oued Eddahab.
Woher es kommt
Woher die Suppe stammt, ist nicht geklärt: Eine Deutung führt sie auf andalusische Einflüsse zurück, eine andere auf amazighische oder arabische Wurzeln. Diouri verbindet den Namen mit der arabischen Wurzel h-r-r, die mit Hitze zu tun hat; ursprünglich bezeichnete das Wort nach ihm vielleicht eine getrennt gekochte Mischung aus Wasser, Mehl und Fett, mit der man die Suppe band.
Geschichte
Ältere Kochbücher kennen verwandte Gerichte: Ibn Razins „Fadalat al-khiwan“ überliefert für den islamischen Westen viele Suppen (haswa), und eine anonyme Handschrift aus Marrakesch beschreibt eine Suppe, die der heutigen Harira nahekommt, allerdings mit Huhn. Frühe Rezepte bestanden nach Diouri vor allem aus Mehl, Milch und Fett.
Woraus
In fast jeden Topf kommen Tomaten, Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen oder beides), meist etwas Lamm- oder Rindfleisch und frische Petersilie, Koriander und Sellerieblätter; manche kochen sie ohne Fleisch. Gewürze wie Zimt, Ingwer, Kümmel, Kubebenpfeffer oder Kreuzkümmel machen die Unterschiede, ebenso Reis oder Fadennudeln je nach Gegend. Manche Harira ist rot von Tomaten, andere gelb von Kurkuma oder Safran. Schon Harrells Wörterbuch von 1966 nennt als übliche Zutaten Mehl, Linsen, Kichererbsen und manchmal Reis.
Wie es gemacht wird
Gekocht wird in zwei Schritten: zuerst die Brühe mit dem gewürfelten Fleisch (tqata), dann die tadwira, bei der in Wasser angerührtes Mehl langsam eingerührt wird, damit keine Klumpen entstehen. Diouri hält die tadwira für das Wesentliche; manche Gegenden kochen Harira nur mit ihr, ohne Fleisch.
In Fès und Rabat gilt die Bufertuna als die eigentliche Harira; ihr Mehlgemisch wird mit Sauerteig vom Brotteig des Vortags angesetzt. Eine leichtere Fassung heißt harira bida, weiße Harira.
Wann
Im Ramadan wird die Harira am Nachmittag aufgesetzt, denn sie ist die erste richtige Mahlzeit nach Sonnenuntergang; dazu gibt es Datteln, Chebakia und Zitronenschnitze. Genannt wird sie beim Fastenbrechen unter anderem für Fès, Meknès, Tanger, Marrakesch, Rabat, Casablanca, Beni Mellal und Khénifra.
Außerhalb des Ramadan wird Harira bei Familienfesten gereicht, bei Hochzeiten, Geburten, Beschneidungen und Trauerfeiern. Im Oriental kommt sie auch als Vorspeise vor dem Méchoui, dem im Ganzen gebratenen Lamm, auf den Tisch.
In Kürze
- Arabisch
- الحريرة
- Tamazight (Tifinagh)
- ⵜⴰⵃⵔⵉⵔⵜ
- Marokkanisch-Arabisch
- ḥrira, Mehrzahl ḥrayer
Wo es herkommt
Im ganzen Land zu Hause, ohne einen Ursprungsort, den eine Quelle nennt.
Wann man es antrifft
Gehört dazu
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Zuletzt geprüft am 26. Okt. 2026. 8 Quellen, davon 3 Primärquellen (Behörde, UNESCO, Betreiber).